Samstag war ich beim „SPECTACULUM" in Worms.

Ich passe auch sehr gut ins Mittelalter, bin ich doch gerade in einem mittleren Alter. Nicht mehr ganz taufrisch hinter den Ohren, aber vom Altsein noch ein gutes Stück entfernt. Wobei es natürlich Leute gibt, die mit 20 eine geistige Reife zeigen, während manche 90-Jährige noch immer nur Blödsinn und Stuss im Kopf haben.

Der Eintritt ins „SPECTACULUM" schien mir zuerst völlig unangebracht: 14 Euro. Allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob das nur der Eintritt für den Samstag war oder möglicherweise für das gesamte Wochenende. Das müsste ich nochmal nachrecherchieren.

Doch kaum hatte ich drei Schritte von der Kasse ins „Wäldchen" gemacht, wo die Ritterspiele stattfanden, wurde ich von einer grandiosen Leichtigkeit gepackt. Ich erfreute mich an Rittersleut, Fantasiewesen, Riesen und Zwergen, Zauberinnen, Kräuterhexen, Händlern, Marktfrauen, Barbaren, „Dieben", Adeligen, Wegelagerern, Wachen, Narren und Musikern.

Mit Begeisterung sah ich den Menschen beim Trinken und Essen zu.
Ich selbst aß nichts und trank in den gut zweieinhalb Stunden auf dem Festgelände ebenfalls nichts, was ziemlich unspectaculum war. Ich war schlichtweg zu faul, mich anzustellen. „Alter Fisch" und Fladenbrot kann ich notfalls auch zuhause essen. Wobei es mir die schottischen Teigwaren durchaus angetan hätten.

Von der Atmosphäre war ich beeindruckt. Man hörte fast nur freundliche Worte und Mittelaltergebrumme. Überall gab es etwas zu sehen: Bogenschießen, Axtwerfen, Malerei und Reiten auf unechten Pferden. Außerdem konnten sich die Kinder mit einem Schiff, das mit Manneskraft und Frauenpower gezogen wurde, über das Gelände fahren lassen.

Auch konnte man sich in einer Art Arena mit Holzschwertern duellieren. Wobei das sicher nicht die angenehmste Umgebung war, weil ständig einer der verschwitzten Kämpfer rief: „Du bist tot, du musst liegen bleiben!"
Manchmal dauert eine Auferstehung eben keine drei Tage.

In der Schmiede wurden unter echtem Feuer Eisenhaken geformt. Irgendetwas muss dort kurzzeitig schiefgelaufen sein, denn plötzlich zog gelber Rauch von der Schmiede über die umliegenden Stände. Für einige Minuten erinnerte der Mittelaltermarkt eher an einen Markt an einer Oase mitten in der Wüste, über den ein Sandsturm hinwegzog und bei dem man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte.

Die Frauen waren deutlich verkleidungsfreudiger als die Herren. Oft sah man Frauen in den wildesten und aufwendigsten Kostümen, manchmal zusätzlich mit fantasievoller Gesichtsbemalung, während Freund oder Begleiter in Kappe und Trainingsanzug danebenherschlurften. Was auf grotesk-schöne Weise wiederum märchenhaft wirkte: Zeitreisender trifft Geschöpf oder Frau aus dem Mittelalter.

Jeder Buchautor hätte auf dem „SPECTACULUM" Stoff für hunderte Fantasy- oder Science-Fiction-Geschichten gefunden.

Was ich fand?
Spaß. Lust am Fotografieren. Und das gute Gefühl, mal wieder ungezwungen unter Menschen zu sein, die nichts von mir wollten. Ich war dort gerne nichts weiter als eine Randnotiz, von der nicht einmal am Rand jemand Notiz nahm.



Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?