Lunaria-Galaxie
Blog Übersicht» „Heruntergekühlte (Fest-)tage“
Zurück

„Heruntergekühlte (Fest-)tage“

John Baker Sander
28. Juli 2026(bearbeitet)
15 Aufrufe
Noch nicht bewertet


Ich bin in ein neues Lebensjahr aufgebrochen.

Erstmal ein Dankeschön an alle, die einen positiven Gedanken an mich verschwendet haben, und an die lieben Glückwünsche, über die ich mich von Herzen gefreut habe.

Wann genau ich dieses neue Lebensjahr begonnen habe – ob heute, vor einer Woche, vor einem Monat oder wie in „Zurück in die Zukunft“ morgen oder gestern – ist ja auch schnurzegal.

Es war vom Gefühl her kein idealer Geburtstag.
Manchmal eben eine Nummer zu kühl. Woran für mich eine Person die Hauptschuld trägt. Ne – ich zähle mich inzwischen egoistisch nicht mehr dazu. Auch wenn es ja eigentlich heißt, an Differenzen sei nie nur einer allein schuld.


Am Samstag saßen Mama, Papa und ich kurz vor Mitternacht gemeinsam auf dem Sofa. Alkoholfreier Sekt, Orangensaft und irgendwelche trockenen Chips-Bären warteten darauf, nach der Glückwunschentgegennahme von uns verdrückt zu werden.


Kurz vor Mitternacht kam Bruder hinzu. Die Raumtemperatur fiel gefühlt weit in den Minusbereich. Allein seine Anwesenheit sorgte bei mir für leichtes Unwohlsein.

Mitternacht. Eltern gratulierten, wie es eben nur Eltern können – oder Menschen, die einem besonders nahestehen.

Dann Bruder. Nuschelte kurz einen Glückwunsch, Händedruck. Nur Zehntelsekunden später waren wir wieder auf Abstand.

Beim Anstoßen verweigerte Bruder den eingeschenkten Sekt und Orangensaft und stieß stattdessen zaghaft mit Cola mit uns an. (Selbstinterpretation ist erlaubt.)

Ungefähr fünf Minuten später verließ Bruder den Raum wieder.
Etwa eine halbe Stunde danach ging Mama – der Hitze und einem spürbar mangelnden Selbstvertrauen geschuldet, auf das ich aber nicht näher eingehen möchte – schlafen.

Papa und ich blieben noch sitzen, tranken Orangensaft und schauten auf „Bayern Alpha“ eine Sendung über Forschungsergebnisse in Ägypten. Ausgerechnet auf dem Fernsehkanal, der demnächst eingestampft werden soll.

Wir lachten Tränen auf dem Sofa. Zwischendurch schlugen wir aber auch immer wieder ernste Themen an und ich verhedderte mich in einem Wortnetz über Bruder, dass ich mir besser gespart hätte.

Doch ganz ehrlich: Bruder geht mir derzeit einfach auf den Sack.

Sorry, aber deutlicher lässt sich meine Gefühlslage momentan kaum beschreiben.

Mit Papa hatte ich dennoch einen Riesenspaß bis zum letzten alkoholfreien Sektglas. Gegen zwei Uhr verzogen schließlich auch wir uns in unsere Betten.


Der eigentliche Geburtstag war schon okay.

Es kamen Gratulationen von Leuten, die ich mag – die mir im Laufe der Jahre aber auch etwas fremder geworden sind. Cousin, Cousinen und ihre Familien zum Beispiel.
Außerdem gratulierten mir Sportpeople – ehemalige und aktuelle Weggefährten.

Mit am meisten freute ich mich allerdings über die Glückwünsche eines Carneval Clubs, mit dem ich eigentlich nur an zwei Tagen im Jahr zu tun habe. Einmal am Tag der Veranstaltung, wenn ich fotografiere, und ein zweites Mal, wenn ich die Bilder abgebe.

Wir aßen Käsekuchen. Es gab zwar noch mehr Kuchen, doch den blendete ich erfolgreich aus. Später wurde dann als Familie gegrillt.

Für eineinviertel Stunden waren auch meine Paten samt Chihuahua zu Gast.


Bruder hielt sich während der Patenankunft fern vom Geburtstagstisch und behauptete, er habe gar nicht mitbekommen, dass diese Menschen hier gewesen wären.

Meine Patentante und ich drückten uns zur Gratulation.
Wann das zuletzt so herzlich und voller Zuwendung geschah? … Es muss Jahre her sein. Mein Patenonkel und ich schüttelten uns respektvoll die Hand.

Unter den Geschenken möchte ich nur mein Aftershave „Australia“ sowie das Buch „Yellow Face“ von R. F. Kuang erwähnen. Rund 30 Seiten habe ich bereits gelesen und den Schreibstil der Autorin mag ich bislang sehr.

Die Spannende Frage, ob es ein Geburtstagsgeschenk von Bruder gab, kann ich sehr zufrieden mit: „Nein“ beantworten. Ich hätte mir auch schwergetan, irgendetwas anzunehmen.

Eigentlich wollte ich gerne gemeinsam mit meinen Eltern „Frühling“ schauen. Nicht einmal wegen der Serie selbst, sondern einfach, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich war jedoch zu unruhig und hielt nur knapp 45 Minuten durch.

Schließlich fand ich mein Plätzchen vor dem Computer.

Ich kommentierte Kommentare, schrieb Blog – beziehungsweise bin gerade noch dabei – und hörte dabei längst vergessene, aber immer noch so gemochte Lieder wie „Someday I'll Be Saturday Night“ von „Bon Jovi“ oder „Carry On“ von „Manowar“. Zwei Songs, die auf ihre ganz eigene Weise davon erzählen, trotz Gegenwind weiterzugehen.

Irgendwie passten sie an diesem Sonntag besser, als mir zunächst bewusst war.

Draußen kletterten die Temperaturen trotz des Windes auf bis zu 35 Grad. Innerlich wurden sie jedoch immer wieder von einer bestimmten Person heruntergekühlt.
Ein Graus, dass ich das überhaupt noch zulasse. Gefühlt sank das Thermometer dadurch auf mindestens minus 29 Grad.

Ich stehe nun in einem neuen Lebensjahr.
Wie erwähnt: Seit wann genau, ist letztlich egal. Ein Lebensjahr, in dem sicher einige Veränderungen auf mich warten.

Eine der ersten Wandlungen muss unbedingt sein, sowohl mit allen Wassern als auch ganz generell ausgeschlafener durchs Leben zu gehen.


 

Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?

Kommentare (0)

Bisher keine Kommentare. Schreibe den ersten!

Einloggen um zu kommentieren.