Normalerweise setze ich in meinen Blogs die Überschrift erst zum Schluss über den Blog. So dass die Überschrift eigentlich die Unterschrift des Blogs ist. Ob es wohl jemanden aufgefallen ist, dass ich in den vergangenen Tagen immer den Wochentag in die Überschriftentitel einbaute?
Ich nahm gestern unvorhergesehen an einer Demonstration gegen Nazis vor dem
Wormser Hauptbahnhof teil. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die am Samstag
stattfand.
Dass in Worms
„was im Busch“ war, bekam ich erst mit, als der Busfahrer nicht die übliche
Strecke in Worms einschlug.
Plötzlich brüllten die Fahrgäste den Busfahrer an: „Wo fährst du denn hin?“ Der
antwortete zunächst nicht. So dass ich mein Buch in die Tasche verstaute und
erstmal leicht besorgt auf meinem Gästefahrplatz sitzen blieb.
Ich dachte schon bei mir: Wenn der Kerl nicht innerhalb einer Minute anhält, gehe ich vor zum Fahrerplatz und sage: „Ich will sofort aussteigen.“ – Total übertriebene Reaktion meinerseits.
Der Busfahrer
kam wahrscheinlich nur seiner Pflicht nach und parkte auf der Rückseite des Busbahnhofes.
So dass man, um in die Stadt zu gelangen, durch die Unterführung und den
Bahnhof hindurchmusste.
In die
Wormser Innenstadt ging es nur direkt durch den Bahnhof.
Die nähere Umgebung war gut abgesperrt. So ein Polizei- und Aufgebot vom Ordnungsamt habe ich in Worms selten gesehen. Auch Polizisten mit Knüppeln in der Hand und Helmen sehe ich hier meist wenig bis gar nicht.
Da waren
offenbar auch Spezialkräfte mit dabei. In offenen Polizeibussen konnte man
hineinschauen, wo Polizisten saßen und auf Monitoren – offensichtlich die
Umgebung – überwachten.
Ungefähr 70 Leute gegen „Nazis“ fanden sich ein, die aber teilweise ordentlichen Radau machten wie für 210.
Gleichzeitig
hatte man einer Gedenkveranstaltung für „Rudolf Hess“ auf dem Bahnhof zugestimmt.
Ungefähr die Hälfte der Demonstranten fand sich auf der anderen Seite des
Bahnhofs, durch schwere Metallgitter abgesperrt, ein.
Die einen
schwenkten Flagge um Flagge, die anderen riefen, sie fänden eine solche
Verherrlichung von Verbrechern Kacke.
Irgendwann räumten die „Nazis“ das Feld, nachdem die überlegene Schar der
Demonstranten immer wieder gebrüllt hatte: „Nazis aus unserer Stadt.“
Ich muss
dringend an meinem Weltbild arbeiten.
Diejenigen, die dort für ein mir unverständliches Weltbild seltsame Flaggen mit
Symbolen schwenkten, die meiner Meinung nach für Leid stehen, waren keine
Glatzenträger. Zumindest die meisten nicht.
Die sahen
jetzt auch, mit einigen Ausnahmen, nicht besonders bedrohlich aus. Womit ich
mir echt schwertat, war, dass da so viele Frauen mit dabei waren. Teilweise
standen sie auch in Gespräche vertieft an der Seite, uninspiriert und wenig
hingebungsvoll herum und waren – das fiel nicht nur mir auf – auch fast alle
recht sommerlich gekleidet.
Ich bin da
offenbar ein Chauvi hoch zehn.
Für mich
stehen Frauen zu 99 Prozent für etwas Weiches, Angenehmes – und ja, ich weiß
natürlich auch: Frau kann die Krallen ausfahren und wortreich sein und
körperlich sein. Und dennoch finde ich an Frauen gerade das gut, dass sie meist
angenehme Geschöpfe sind, mit denen ich bisher doch gut bis unendlich
hervorragend auskam.
Mich würde echt interessieren, da die Frauen sich auf Naziseite nicht sonderlich hervortaten, wie viele nur aus Loyalität zu ihrem Freund oder Ehemann diese Gedenkveranstaltung besuchten?
Was mir am
wichtigsten war:
Soweit ich das sah, gab es keine Ausschreitungen von keiner Seite. Alles blieb
friedlich und gütig.
Eine
interessante Erfahrung, da anfangs in der Demonstrantentraube zu stehen, war
das allemal. Irgendwann sagten meine Ohren Nein zu dem wichtigen Lärm, und ich
wich auf eine Art Tribünenplatz hinter ein schweres Metallgitter in der Nähe
des Bahnhofseinganges aus.
Der Sonntag
war ein schöner. Ein angenehmer.
Ausschlafen. Nichts tun – zwei, drei organisatorische Dinge vorbereiten.
Mit Eltern
Baguettes und Würstchen und Kartoffelsalat essen. Eine ungewöhnliche
Kombination. Selbst für unsere Verhältnisse. – Aber das musste laut MDH alles
weg.
Ich nahm an einem Quiz in meinem Stammchat teil.
Wurde dank
der ein oder anderen popkulturellen Frage (Asterix und Co.) Dritter. Und nein,
es gab nicht nur drei Quizteilnehmer.
Auch bekam
ich mal wieder vor Augen geführt, dass ich in Sachen Allgemeinwissen (noch)
nicht zu den stärksten Usern gehörte.
Am schwersten tat ich mir bei Fragen über Pflanzen oder Tiere und bei allem,
was in Richtung leichter Kunstsachverstand ging.
Jetzt sitze ich hier, schreibe Blog mit ganz viel Bock.
Gleich geht’s nochmal eine halbe Stunde zu meinen Eltern, bevor ich mich erst
ins Bett und dann in die neue Woche stürze.
Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?
*Blog wurde am Sonntag, 23. August 2026 verfasst*
