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Die letzte Nacht schlief ich verhältnismäßig gut.
Damit hatte ich nach der Auseinandersetzung mit „ihr wisst schon wem" nicht gerechnet.
Dusche, Frühstück und Mama halfen dabei, sich besser zu fühlen.
Auch der Ausblick in der Wormser Innenstadt brachte mir ein paar positive Sommergefühle ein. Beflügelt hat es mich etwas. Nicht so euphorisch wie normalerweise, aber immerhin.
Im Bus wurde ich mal wieder Zeuge eines Dialoges, der der Fantasie viel freien Lauf lässt, jedoch nicht meiner entsprungen ist und sich auch so zugetragen hat.
Eine junge Frau, so zwischen 18 und 21 würde ich sie schätzen, die genau vor mir im Bus sitzt, sagte zu einem Mann – den ich in einem ähnlichen Alter sehe – kurz bevor dieser den Bus verlässt:
„Danke, dass du mir nichts getan hast."
Der Mann sagt: „Ich hätte dir nie was getan."
Mann steigt aus. Die Frau fährt genau eine Haltestelle weiter. Steigt dann auch aus.
Meiner Meinung nach sagt allein der Dank aus, dass sie vor ihm oder sonst wem Angst hatte. Jedoch bin ich im Rätselraten, was da wirklich vorgefallen sein könnte, nicht der Beste.
In Worms war natürlich drückende Hitze, klimatisierte Geschäfte.
Menschen sommerlich gekleidet, die Mehrheit mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Trotz Hitze und Schwitze gut gelaunt.
Heute war ich der, zumindest in den ersten Stunden, mit einem der neutraleren Gesichter durch die Gegend lief. Im Spiegel sah es auch ganz okay aus.
Ein neues Duschgel habe ich mir gegönnt. Mich hat jedoch nicht in erster Linie die Versprechung auf der Packung beeindruckt, sondern dass es so eine schöne orangene Farbe hat.
Im neuen Supermarkt, der erst Anfang des Monats eröffnet hat, war ich auch.
Wollte ein Getränk bar bezahlen. Ging zur Kasse. Kasse zu. Einfach vor die Kasse ein Warenregal gestellt, sodass man dort keine Artikel auflegen konnte.
Eine Frau mit Headset tauchte auf und nahm andere und mich mit zu so einem Kassierautomaten.
Das Erste, was mir auffiel, war die Beschriftung für Münzen und Scheine. Dass es das auch für Barzahler gibt, war mir nicht klar.
Hätte mir jedoch klar sein müssen, schließlich gibt's in dem „Globus"-Verkaufsstand in der „Kaiser Passage" ja auch einen.
Kaum zu glauben, aber wahr: Bereits beim ersten Versuch und netter Erklärung durch die Mitarbeiterin mit Headset klappte das mit dem Einkaufen über den Automaten einwandfrei.
Das war jetzt keine Meisterleistung, aber gut angefühlt hat es sich trotzdem, dass das gleich geklappt hat.
Einige Stunden später lief ich immer noch mit den unterschiedlichsten Gedanken im Kopf durch Worms. Immer schön im Schatten schritt ich voran.
So ca. 800 Meter vom Bahnhof kam ich an einem Hauseingang zum Stehen. Zwei große Kartons mit der Aufschrift „Zum Mitnehmen" hatten mein Interesse geweckt. Also eigentlich waren es ja die Bücher in den Kartons.
Ich sah die Bücher durch. In der einen Kiste viele Taschenbücher, die meisten Liebesromane. Zumindest sahen die Cover verdächtig danach aus.
In der anderen „Harry-Potter"-Bücher. Film- und Fotobücher, Fanbücher. Und die komplette Reihe: Alle acht Bände.
Die Bände 1–7 hatte ich damals von meiner Cousine ausgeliehen bekommen, die, obwohl ich mich ja anfangs – warum weiß heute keiner mehr – verweigert hatte, meinte, ich solle doch mal lesen, die Geschichte wäre gut.
Ja, die Geschichte mochte ich. Übrigens auch die Filme. Immer wieder hatte ich auch mal mit dem Gedanken gespielt, mir die komplette „Weltbestseller-Potter-Reihe" zuzulegen. Geworden war daraus nichts.
Mir war es ein wenig unangenehm, als die blonde Kistenstellerin herauskam und noch eine Kiste mit Büchern gerade vor ihre Tür stellte und mich nach einem freundlichen „Hallo" dabei beobachtete, wie ich ihre ehemaligen „Harry-Potter-Bände" inklusive dem noch nicht gelesenen Band 8 in meinen Rucksack zwängte.
Das heißt, Trinkflasche und anderes nahm ich heraus, damit ich alle Bände ohne die Bücher zu beschädigen sauber im Rucksack unterbringen konnte. Das war auch eine Art Zauberkunststück, sie alle ordentlich zu verstauen.
Zuhause sah Vater und Mutter den „Schlagerboom".
Bruder forderte im neutralen Ton das aufgesetzte Schriftstück ein, in dem ich bestätige, dass ich meine Sachen aus dem Haus holte, das Papa aber noch im Gewahrsam hat.
Überhaupt war ich am Abend auf der Couch längst nicht mehr so entspannt wie in meinen Worms-Stunden, sondern reagierte auch ein wenig vor Eltern über Bruder schärfer, als es nötig gewesen wäre.
Dass das nicht richtig war, braucht niemand in den Kommentaren erwähnen, weiß ich selbst.
Ungestraft kam ich für mein unnötiges Hetzen nicht davon.
Während ich mit Vater die zweite Halbzeit Kroatien vs. Ghana (2:1) sah, pieksten mich immer wieder kräftige Stiche in die rechte Wade. Als würde ein Krampf hereinfahren wollen – was jedoch, bis auf mehrfache heftige Stiche, glücklicherweise ausblieb.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?
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