Für alles, was wir haben und sind,
Für unsrer Kinder Los,
Steht auf, der Kampf beginnt.
Der Hunne steht am Tor!
Die alte Welt versank,
In Mutwillen zerstört.
Uns blieb kein Lebensdrank,
Nur Stahl und Feuer und Schwert!
Doch weicht auch, was wir kannten,
Das alte Wort steht fest:
„Haltet das Herz in Mut gefangen,
Die Hand erhoben voller Kraft.“
Noch einmal tönt das Wort,
Daran die Erde einst erkrankt’:
„Kein Recht als nur das Schwert,
Das nackt und zügellos erglänzt.“
Noch einmal eint es die Völkerwelt,
Noch einmal zieht man los,
Dass man entgegenstellt
Und bricht den rasenden Genoss'.
Komfort, Vergnügen, Glück,
Der Zeiten mühsam teurer Pfad,
Schrumpft’ in der Nacht zurück.
Uns selbst nur blieb der Staat,
Den nackten Tagen nun zu sehn
In stiller Tapferkeit,
Durch Gefahren durchzugehn,
Erneuert und bereit.
Doch weicht auch, was wir schufen,
Das alte Wort steht fest:
„In Geduld das Herz gerufen,
Die Hand erhoben voller Kraft.“
Kein leichter Trost, kein Schein,
Bringt uns ans Ziel heran,
Nur eisern Opfer sein
Von Leib und Seel' und Urteilskraft.
Es gibt nur eine Pflicht für alle –
Ein Leben, das ein jeder gibt.
Was steht noch, wenn die Freiheit falle?
Wer stirbt, wenn England lebt?
Rudyard Kipling (1865 - 1936)
**Das Gedicht ist ein dringlicher, opferbereiter Appell an das britische Volk, sich im Angesicht des Ersten Weltkriegs ("Der Hunne steht am Tor") bedingungslos dem Kampf für die Freiheit anzuschließen. Kipling macht deutlich, dass die gewohnte, komfortable Friedenswelt unwiderruflich vorbei ist und nun nur noch eiserne Disziplin, stilles Durchhaltevermögen und das persönliche Opfer zählen. Am Ende steht die existenzielle Überzeugung, dass das Individuum und die persönliche Freiheit wertlos sind, wenn die Nation als Ganzes untergeht.**